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Fujifilm X20 – Digitale Kompaktkamera im Retro-Look

Wichtiger Hinweis: In den vergangenen Wochen erreichten mich einige Anrufe und Lesermails, in denen Probleme mit der X20 beschrieben wurden. Diese Probleme betreffen meist verschiedene Einstellungen, die plötzlich nicht mehr möglich sind. Beispielsweise lassen sich die Filmsimulationen in bestimmten Einstellungen nicht mehr aufrufen oder die Kamera ermittelt falsche Belichtungswerte – allerdings nur in einem bestimmten Belichtungsprogramm. Wenn auch bei deiner X20 solche Fehler auftreten, solltest du die Kamera per Reset zurücksetzen. So geht's: "MENU/OK"-Taste drücken, die erste Seite des Hauptmenüs wählen (kleiner Schraubenschlüssel auf blauem Hintergrund mit der Ziffer "1") und auf den Menüpunkt "RESET" gehen. Nun zunächst das "AUFNAHMEMENÜ ZURÜCKS." wählen, auf "OK" gehen und mit einem Druck auf "MENU/OK" bestätigen. Tritt der Fehler immer noch auf, erneut den Menüpunkt "RESET" aufrufen und nun zusätzlich den Punkt "SETUP ZURÜCKS." wählen, auf "OK" gehen und mit einem Druck auf "MENU/OK" bestätigen. Anschließend bitte prüfen, ob Uhrzeit und Datum noch korrekt eingestellt sind und gegebenenfalls korrigieren. Nun sollte der Fehler behoben sein. 

Schon wieder ein neues Modell? Yep – auch bei Fujifilm dreht sich das Nachfolgekarussell und diesmal steht die X10 im Focus. Stellt sich die Frage: "Was kann man an der Fujifilm X10 eigentlich noch verbessern?" Klar gibt's da ne Menge, was mir spontan einfällt. Dreh- und Klappmonitor mit Touchscreen, GPS, WLAN, mehr Megapixel, mehr Funktionen, mehr von allem. Aber jetzt mal Butter bei die Fische, wie der Norddeutsche sagt: muss das sein? Klar kann man eine Kamera immer weiter aufmotzen, aber man kann sich auch auf's Wesentliche konzentrieren – genau das macht Fuji beim Nachfolger der X10. Und wie heißt das gute Stück nun? Klar: X20. Und obwohl die Neue nichts von dem hat, was mir so spontan an Verbesserungsvorschlägen eingefallen ist, wird die X20 ihre Fangemeinde finden. Denn es gibt noch Dinge jenseits aller elektronischen Spielereien. Wer aber auf diese aus ist und an der digitalen Knipskiste seinen Spieltrieb ausleben möchte – sorry, der sollte hier aufhören zu lesen und sich nach einem anderen Modell umschauen. Wer aber eine Kamera sucht, die allein schon durch ihre Haptik und ihr Aussehen begeistert, und mit der man im alten Stil fotografieren kann, sollte sich die X20 genauer anschauen. Vor allem weil Fuji nun endlich den Ruf der Retro-Jünger erhört hat und neben dem komplett schwarzen Modell die X20 auch in der klassischen silber-schwarzen Variante anbietet. Für mich wäre allein das schon Grund genug, die X20 gegenüber dem Original X10 vorzuziehen. Nun aber genug von den äußeren optischen Reizen der Neuen, jetzt geht's um die Technik.

 

 

Machen wir mal einen kleinen Schlenker über das Schwestermodell X-E1. Die zeichnet sich durch hervorragende Bildqualität aus – in meinem Test der Fujifilm X-E1 ist das nachzulesen. Nun arbeitet in der X-E1 der neueste Sensor aus dem Haus Fuji. Was liegt also näher, als den Chip auch in der X20 zu verwenden. Genau das ist jetzt geschehen. Aufgrund der kompakten Abmessungen der X20 kann es natürlich nicht der gleiche Chip im APS-C-Format der X-E1 sein, aber es ist die gleiche Technologie. Und so arbeitet in der X20 ein 12 Megapixel-Sensor in der X-Trans CMOS II-Technologie mit den Abmessungen 8,8 mm x 6,6 mm. Bezogen auf das Kleinbildformat entspricht das einem Brennweitenverlängerungsfaktor von fast genau vierfach. Konkret bedeutet das: Das eingebaute Zoomobjektiv der X20 hat eine nominelle Brennweite von 7,1 bis 28,4 Millimeter, übertragen aufs Kleinbildformat sind das dann 28 bis 112 Millimeter – die Werte finden sich daher auch auf dem Zoomring am Objektiv. Und wieso X-Trans CMOS II (also "zwei")? Die X-E1 hat das Kürzel noch nicht hinter dem Sensor-Namen stehen. Das "II" steht für eine Erweiterung der Sensor-Technologie. Der neue Sensor hat in der Mitte der Fläche spezielle Pixel, die eine Phasen-Autofocus-Messung ermöglichen. Das soll für zusätzliches Tempo und Genauigkeit sorgen. Damit der neue Sensor auch ordentlich in Schwung kommt, sorgt zusätzlich der neue Prozessor EXR II für ordentlich Rechenpower. Ob sich diese Kombination beim Tempo tatsächlich bemerkbar macht, wird der Test zeigen. 

Sensor, Prozessor – und was gibt's noch Neues in der X20? Da ist der Sucher. Wie bei der X10 hat die X20 einen optischen Sucher. Für mich ein wichtiges Ausstattungsmerkmal, auf das ich nur sehr ungern verzichte. Bei der X10 bestand der Sucher – etwas flapsig ausgedrückt – einfach nur aus ein paar Glaslinsen. Damit ist jetzt Schluss. Im Sucher der X20 werden die wichtigsten Aufnahme-Informationen eingeblendet, das sind Belichtungszeit und Blende sowie – je nach Einstellung – das gewählte Autofokusfeld. In dezenten Ziffern werden die Zahlen am unteren Rand angezeigt. Wenn ich dezent schreibe, meine ich auch dezent: Die roten beziehungsweise grünen Ziffern sind unter bestimmten Umständen nicht so ganz leicht zu erkennen, da die Schrift recht fein ist. Dennoch gefällt mir diese Neuerung sehr gut, so habe ich beim Blick durch den Sucher immer die wichtigsten Belichtungsparameter im Blick – ganz wie früher bei meiner analogen Spiegelreflex. Diese Ergänzung hat zur Folge, dass der Sucher minimal anders aussieht, wie der der X10. Rechts neben dem Okular auf der Kamera-Rückseite ist ein Sensor, der den Monitor ausschaltet, sobald man durch den Sucher blickt und die Informationsanzeige im Sucher einschaltet. Ein kleines Rädchen zum Einstellen der Dioptrienkorrektur ist vorhanden.

TIPP: Das automatische Einschalten der Anzeige im optischen Sucher und gleichzeitige Ausschalten des Displays funktioniert nur, wenn der Augensensor aktiviert ist. Das macht man im Aufnahme-Menü, auf der vierten Seite unter dem Menü-Punkt "OVF-/LCD-EINST.". Dort kann man zwischen AUGENSENSOR, LCD oder OVF wählen. Nur wenn der Punkt "AUGENSENSOR" gewählt ist, klappt das automatische Umschalten. Die Anzeige des Fokusfeldes im optischen Sucher muss übrigens auch im Menü aktiviert werden. Dazu im Aufnahme-Menü auf der dritten Seite den Punkt "DISPLAY EINSTELL." aufrufen und bei "OVF" den Punkt "FOKUSSIERBEREICH" aktivieren. Ach ja, weil die Frage immer wieder auftaucht: Unter dem Menüpunkt "DISPLAY EINSTELL." wird beim Punkt "LCD" die Wasserwaage aktiviert – eine 2D-Wasserwaage.
WICHTIG! Sollten das Feld "AUGENSENSOR" hellgrau sein und nicht angesteuerte werden können, ist eine der beiden Makro-Modi eingeschaltet. Sind die aktiviert werden im optischen Sucher die Belichtungsdaten auch nicht angezeigt. Der Grund: Im Makromodus sollte das Motiv nur über das Display anvisiert werden, da der Sucher den Bildausschnitt nicht exakt wiedergibt. Daher werden dann auch die Belichtungsdaten dort nicht angezeigt – quasi als indirekter Hinweis.

Aber es gibt doch bestimmt noch mehr, was sich geändert hat - ja, da wäre noch die etwas veränderte Tastenbelegung und ein paar Änderungen in der Bedienung. Wichtigster Punkt: Dort, wo bei der X10 die RAW-Taste ist, hat die X20 die Q-Taste. Sprich, das was das Firmware-Update 2.0 der X10 spendiert hat, hat die X20 nun serienmäßig. Und wer noch nicht weiß, was es mit der Q-Taste auf sich hat, hier die Erklärung: Ein Druck auf die Q-Taste zeigt im Display eine Übersicht aller wichtiger Belichtungsparameter der Kamera. Mit dem Kombischalter auf der Kamerarückseite navigierst du nun einfach zu dem Punkt, den du verändern möchtest. Leuchtet das Feld, reicht ein Dreh am Kombischalter oder dem kleinen Drehrad oben rechts neben dem Display, und schon veränderst du die Einstellung. Das geht richtig fix und ist einfach in der Handhabung. Apropos Handhabung: Ich hab ja durchaus schon die eine oder andere Kamera in der Hand gehabt und es gibt wenige, die mir so gut gefallen wie die X20. Klar ist das alles subjektiv, aber ich finde, die Kamera hat eine sehr angenehme Haptik und fühlt sich verdammt solide an. Das gilt nicht nur fürs Gehäuse sondern auch für die Knöpfe und Drehräder – und natürlich das Objektiv. Das ist wie bei der X10 ein Zoomobjektiv mit manueller Verstellung. Erwähnte ich schon, dass ich ein Fan des manuellen Zooms bin? Nein? Dann jetzt! Klar ist so eine motorische Brennweiten-Verstellung praktisch, aber wenn's richtig schnell gehen soll und dazu noch genau auf den Punkt, gibt's nichts besseres als ein manuelles Zoom. Wie gehabt reicht die Brennweite von 28 Millimeter bis 112 Millimeter bei einer Lichtstärke von f2.0 bis f2.8. Damit liegt die X20 auf einem recht hohen Niveau in dieser Kameraklasse. Eingeschaltet wird die X20 wieder mit einem flotten Dreh am Zoomring. Hier zeigt sich übrigens schon die erste Auswirkung des schnellen Sensors, denn die X20 ist einen Tick schneller am Start als die X10. 

Eine weitere – wenn auch kleine – Änderung: das Menü. Hatte die X10 (links, Foto unten) nur zwei Haupt-Punkte des Menüs mit entsprechenden Unterseiten, zeigt die X20 (rechts, Foto unten) gleich die verschiedenen Unterseiten der beiden Hauptmenüs. Das ist zwar nur eine Kleinigkeit, trägt aber zur Übersichtlichkeit bei und zeigt, wie sorgfältig Fujifilm bei seinem Update vorgeht. An einer weiteren Kleinigkeit kann man das auch erkennen: War bei der X10 der Schriftzug "Made in Japan" noch recht prominent auf der Rückseite unter dem Blichtschuh zu lesen, steht der Text nun deutlich dezenter unten rechts neben dem Display.

Solide Verarbeitung 

Abgesehen von den bereits erwähnten äußeren Änderungen ist das Design der Fujifilm X20 absolut identisch mit dem der X10. Damit hebt es sich deutlich von den Fujifilm-Finepix-Modellen und folgt dem Retro-Design der X-Serie. Das solide Gehäuse ist im Design an frühe Kameramodelle angelehnt. Die Oberfläche ist strukturiert, ähnlich einer genarbten Lederoberfläche. Die Formen sind klar, ohne Schnörkel, reduziert auf das Wichtigste. Mir gefällt dieses Design ausgesprochen gut. Vor allem, weil sich die Kamera nicht nur gut anfühlt, sondern auch eine klasse Funktionalität hat – mit kleinen Tücken. Beim ersten Einsatz der Kamera dürfte es allen Fotografen so gegangen sein wie mir: Wo ist bloß der Einschalter? Kein Hebel, kein Knopf, kein Drücker – nichts! Entweder hilft dann nur der Blick in die Bedienungsanleitung oder guter Spürsinn, denn ein winziger Hinweis zeigt den Weg zum Ziel. Eingeschaltet wird die Kamera durch einen Dreh am Zoomobjektiv, dort wo der Begriff "OFF" steht – das ist der kleine Hinweis. Dabei bemerkt man sofort die klasse Verarbeitung: Der Zoomring hat beim Drehen genau den richtigen Widerstand und kein bisschen Spiel. Mir gefällt es, statt per Miniknopf und elektrischer Verstellung, die Brennweite per Drehring mechanisch einzustellen. Das geht schnell und ist sehr präzise. Genauso präzise wie das Einrasten der beiden Einstellräder an der Kameraoberseite, die ein solides Gefühl vermitteln – so soll es sein. Insgesamt vermittelt die X20 einen hochwertigen Eindruck, der für lange Lebensdauer sprechen sollte. Und erstaunlich: Obwohl die Kamera recht klein ist, liegt sie auch in meiner etwas größeren Hand sicher. Wer es noch etwas edeler und noch etwas mehr Retro haben möchte, der kann seine X20 in eine hochwertige Ledertasche packen. Noch ein Tipp: Möchtest du dir aufgenommen Bilder auf anschauen, muss die Kamera nicht per Drehring eingeschaltet werden, sonder es reicht ein längerer Druck auf die Wiedergabetaste (grüner Pfeil) und die Aufnahmen werden angezeigt.

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